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Post aus Hawaii

Mark Twain mietet sich ein Pferd auf Hawaii
Das Ross "Oahu"

Der Besitzer des American Hotel sagte, die Gesellschaft sei bereits vor fast einer Stunde aufgebrochen, doch könne er mir eines seiner Pferde anbieten, das sie leicht einholen werde. Ich antwortete, meinetwegen, aber ich hätte lieber ein sicheres Pferd als ein schnelles – ich hätte gern ein überaus sanftes Pferd – ein Pferd ganz ohne Eigensinn – am Besten ein lahmes. Nach fünf Minuten saß ich im Sattel und war mit meiner Ausstattung vollkommen zufrieden. Ich hatte keine Zeit es mit den Worten "Dies ist ein Pferd" zu beschriften, konnte es also nicht ändern, wenn jemand es für ein Schaf hielt. Ich war zufrieden, und das war die Hauptsache. Ich konnte erkennen, dass es genauso viele hervorstechende Eigenschaften hatte wie jedes andere Pferd, also hängte ich meinen Hut hinter dem Sattel an eine von ihnen, wischte mir den Schweiß vom Gesicht und trabte los. Ich nannte es nach dieser Insel „Oahu“. Als wir an einem Tor vorbeikamen, steuerte es darauf zu. Ich hatte weder Peitsche noch Sporen und besprach in aller Ruhe die Sache mit ihm. Das Ross ließ sich nicht durch Argumente überzeugen, doch auf Schläge und Beschimpfungen reagierte es schließlich. Es kam rückwärts aus dem Tor heraus und strebte einem anderen auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu. Meine vorherige Methode erwies sich erneut als erfolgreich. Auf den nächsten sechshundert Metern überquerte es vierzehnmal die Straße und erkundete dreizehn Tore, während die brennende Tropensonne drohte, mir das Hirn wegzuschmelzen und ich buchstäblich triefte von Schweiß, Schmutz und Schimpfwörtern. (Ich bin auch nur ein Mensch und war sehr verärgert. Ich werde mich das nächste Mal besser benehmen.) Danach gab mein Ross den Torlauf auf und wurde recht friedlich, schien aber in Gedanken versunken. Als ich letzteres bemerkte, überkamen mich rasch die bösesten Vorahnungen. Ich vermutete, dass dieses heimtückische Tier gerade irgendeinen neuen Unsinn ausheckte, irgendeine Teufelei (kein Pferd hat je über ein Thema so gründlich nachgedacht wie dieses über rein gar nichts). Je länger ich über diesen Umstand nachgrübelte, desto unruhiger wurde ich, bis mir die Geduld riss und ich aus dem Sattel stieg, um nachzusehen, ob das Pferd etwas Wildes im Blick hatte – denn ich hatte gehört, dass das Auge dieses edelsten aller Haustiere überaus ausdrucksvoll sei. Ich kann gar nicht sagen, wie erleichtert ich war, als ich feststellte, dass es nur schlief. Ich weckte es und ließ es schneller traben, doch bald kam die angeborene Böswilligkeit seines Wesens erneut zum Vorschein. Es versuchte über eine fünf bis sechs Fuß hohe Steinmauer zu klettern. Ich erkannte, dass ich diesem Pferd nur mit Gewalt beikommen würde und dies besser früher als später. Ich brach eine stramme Gerte von einer Tamarinde, bei deren Anblick das Ross sofort aufgab. Es fiel in einen krampfartigen Galopp mit drei kurzen Schritten und einem langen, der mich abwechselnd an das Rütteln und Schütteln eines großen Erdbebens und an das heftige Schwanken der Ajax im Sturm erinnerte.


Mark Twain über die Seekrankheit
Einige Auswirkungen des heftigen Seegangs

Ich entdeckte zweiundzwanzig Passagiere, die sich über die Reling beugten, sich übergaben, "Oh mein Gott!" riefen und sich erneut übergaben. Brown war auch da. Stets freundlich und zuvorkommend, ging er von einem zum anderen und sagte: "Gut so – gut so – immer raus damit, reinigt den Magen, bis er blitzblank ist. Man fühlt sich gleich viel besser und stinkt nicht mehr so erbärmlich."

Das stürmische Wetter hielt mehrere Tage und Nächte an, und das Schiff rollte und stampfte heftig. Mit Ausnahme von sechs bis acht Passagieren nahmen alle ihre Mahlzeiten nur in ihren Betten zu sich und schlossen sich die ganze Zeit über in ihren Kabinen ein. Die Salons und Decks wirkten verlassen und einsam. Doch nach und nach gesundeten die unglücklichen Seekranken, bis unsere Dinnergesellschaft wieder fünfzehn bis zwanzig Personen umfasste.

An den Tischen waren Rahmen oder "Geländer" befestigt, damit die Teller nicht herunterrutschten, was zuweilen trotzdem geschah. Ein gelegentliches starkes Schlingern beförderte ein gutes Dutzend in den Abgrund und ließ die Dinnergäste hinterhertauchen. Brown hegte einen tiefen Groll gegen die Tischrahmen und meinte, niemand habe ihm je beigebracht, „aus Backformen zu essen“. Bei Suppen waren die Geländer nutzlos. Der Suppenteller musste in der Hand gehalten und behutsam mal in die eine, mal in die andere Richtung geneigt werden, damit sich die Flüssigkeit dem Schaukeln des Schiffes anpassen konnte. Die Stühle waren nicht am Boden befestigt, und es war ein lustiger Anblick, wenn eine Reihe von Gentlemen rückwärts zum Schott rutschte, ihre Suppenteller in Brusthöhe festhielt und sich ganz darauf konzentrierte, nichts von dem Inhalt zu verschütten. Mit der Flut rutschten sie zurück zu den Tischen und segelten mit der Ebbe erneut von dannen. Es war unmöglich, ein Glas Wasser abzustellen. Die aufmerksamen Stewards brachten dem unablässig quasselnden Brown ein Glas nach dem anderen, doch er bemerkte es immer zu spät, um deutlich zu machen, dass er genug hatte: "Frank, bringen Sie mir kein Wasser mehr. Ich muss es in einem Zug austrinken, um es nicht zu verschütten, und ich hatte schon mehr als genug." Dennoch winkte ihm alle paar Minuten ein Passagier von gegenüber zu und rief: "Ihr Wasser, Mr. Brown! Ihr Wasser! Achten Sie auf Ihr Wasser!" Und siehe, der arme Brown musste erkennen, dass man sein Glas erneut ersetzt hatte und dass es sich schon bedenklich leewärts neigte. Sogleich packte er es und trank es aus. Nach einer Viertelstunde hatte Brown immer noch nichts gegessen, weil er unablässig von diesen Wasserlieferungen unterbrochen wurde. Der Steward Frank brachte ein frisches Glas Wasser und sagte: "Hätten Sie gern etwas Beefsteak, Mr. Brown?" – "Nehmen Sie das Wasser und fahren Sie zur Hölle! Beefsteak! Nein! Ich habe in fünfzehn Minuten elf Gallonen Wasser getrunken. In meinem Bauch gibt’s nicht mal genug Platz für das Lendensteak einer Sandfliege!"